Verabschiedung Rückblick
Am 23. August hat sich unsere Gemeinschaft nach 64 Jahren
aus unserer bisherigen klösterlichen Heimat Engelthal in der Wetterau verabschiedet.
Dienstag 25. August 2026 | Meldung
Gruppenfoto mit Bischof nach dem Gottesdienst, eine Schwester ist verdeckt (Foto: Tobias Blum, Mainz)
Mit einem festlichen Gottesdienst und einer anschließenden Begegnung im inneren Klosterhof haben wir Schwestern uns am Sonntag, 23. August 2026 aus unserer bisherigen klösterlichen Heimat verabschiedet. Unseren Namen “Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal” behalten wir bei, werden aber zukünftig nicht mehr in der Wetterau, sondern auf dem Rochusberg in Bingen leben.
Es war ein wunderbarer Tag, sonnig und und mild, wie geschaffen für ein solches Fest, ein Tag, der uns die Schönheit Engelthals noch einmal in ihrer ganzen Fülle erleben ließ.
Bereits gegen 10 Uhr am Vormittag kamen unsere sechs Schwestern, die schon auf dem Rochusberg leben, hier an, und ebenso die vielen Gäste: Mitschwestern und -brüder aus Ordensgemeinschaften, Vertreter:innen von Kirche und Ökumene, Politik und Gesellschaft, unsere Oblatinnen, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die vielen, die sich oft schon seit Jahren ehrenamtlich bei uns engagieren – von den Mitgliedern unserer Stiftungsgremien angefangen bis zu den Helferinnen und Helfern im Garten -, dazu die Chormitglieder und so viele, die uns freundschaftlich verbunden sind, und nicht zuletzt eine kleine Abordnung vom Rochusbeg.
Wir elf Engelthaler Schwestern bildeten in der Kirche nur die erste Reihe, doch all die vielen anderen Plätze waren besetzt, ca. 200 Menschen waren gekommen, um mit uns zu feiern – für uns eine berührende und bewegende Erfahrung.
Unser Mainzer Bischof Dr. Peter Kohlgraf feierte mit uns die Liturgie, neben ihm standen der Abtpräses unserer Beuroner Benediktinerkongregation, Dr. Franziskus Berzodorf OSB, und der Pfarrer unserer Pfarrei St. Christophorus vor dem Vogelsberg, Karl-Heinrich Stein. Der Projektchor der Pfarrei unter der Leitung von Berthold Göbel, sowie Tyron Unger, Berthold Göbel und Sr. Caterina an der Orgel und die Sopranistin Anke Nitzel begleiteten ihn musikalisch.
Bewegende und stärkende Worte durften wir hören, Trauer und Wehmut hatten ihren Platz, doch Dankbarkeit, Zuversicht und Hoffnung auf die führende und mitgehende Treue Gottes gaben den eigentlichen Ton der Feier an. Und die gegenseitige Zusage, einander verbunden zu bleiben über diesen Tag hinaus.
Link zur Aufzeichnung des Verabschiedungsgottesdienstes
Vor Beginn des Gottesdienstes begrüsste M. Elisabeth Bischof Peter, Abtpräses Franziskus, Pfr. Stein und die Gäste. Sie sprach aus, dass dieser Abschied vom Ort und den Menschen für uns nicht einfach ist, und gab zugleich unsrer Hoffnung Ausdruck, dass auch dieser Aufbruch wie der der Hersteller Gründungsschwestern 1962 unter dem Geleit der Engel mutig gewagt werden kann. “Das heutige Evangelium drückt es so aus: “Er (Jesus) geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen” (Mt 28,7) und: “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mt28,20).”
Auch Bischof Peter sprach in seiner Predigt von der Trauer, die dieser einschneidende Abschiedstag mit dem Verlust von Heimat auslöst. Doch dann benannte er mit den Wortpaaren Mut und Realismus, Aufbruch und Vision weiterführende Gedanken, die ihn im Blick auf unseren Aufbruch bewegen. Und nicht zuletzt gab er seiner Überzeugnung Ausdruck, dass es in Engelthal gut weitergehen und dieser Ort auch weiterhin Menschen verbinden wird.
Am Ende des Gottesdienstes wurden in drei Grußworten drei ganz unterschiedliche Facetten des Lebens unserer Gemeinschaft hier an diesem Ort gewürdigt und uns als Auftrag weiterhin mit auf den Weg gegeben:
Abtpräses Franziskus erinnerte an die Bereitschaft von Engelthaler Schwestern schon seit den 1960ziger Jahren (als das für Frauen in der Kirche noch gar nicht selbstverständlich war), sich in Dienst nehmen zu lassen und sich zu engagieren in der Leitung, der Fortbildung und den verschiedenen Arbeitskreisen und Kommissionen der Kongregation. Er betonte, dass trotz des Endes des bisherigen Lebens in Engelthal die Grundentscheidung unseres Lebens bestehen bleibt, das Vertrauen ganz auf Gott zu setzen und an seiner Barmherzigkeit niemals zu zweifeln.
Landrat Jan Weckler knüpfte an seine früheren Erfahrungen als Religionslehrer an, als er mit Schulklassen zum Klosterbesuch kam, sprach von seinem Engagement im Kuratorium unserer Stiftung und dem engen Kontakt zu uns, der es ihm nun erleichtere, auch die Herausforderungen im Blick auf die Nachnutzung dieses Ortes mit zu begleiten. Denn der Wetteraukreis möchte alles dafür tun, dass dieser “besondere Ort der Spiritualtität und der gelebten Nächstenliebe” zukünftig zwar ohne die Benediktinerinnen, nun jedoch gemeinsam mit der Regionalen Diakonie Oberhessen erhalten werden kann.
Prof. Dr. Andreas van der Broeck sprach als Vorsitzender des Kuratoriums unserer Stiftung und im Rückblick auf 25 Jahre der Verbundenheit mit unserer Gemeinschaft. Er verstand es, persönliche Erinnerungen an viele Begegnungen und Veranstaltungen zu verknüpfen mit grundsätzlichen Erwägungen zum Wert von Beziehungen und der Bereitschaft, zuzuhören. Dabei bezog er sich auch auf die Regel des Hl. Benedikt, für die das “Hören mit dem Ohr des Herzen” eine wesentliche Grundhaltung ist, die zur festen Bindung an eine Gemeinschaft und damit zur Stabilität führt – und letztlich zum Bewahren durch Erneuern.
Nach dem Gottesdienst waren alle eingeladen zur Begegnung und Stärkung auf dem inneren Klosterhof. Hier war Zeit und Gelegenheit, sich von einzelnen Schwestern persönlich zu verabschieden. Für uns war es bewegend, soviel Wertschätzung und Zuneigung erfahren zu dürfen, stärkend wie eine reiche Ernte für alle Herausforderungen, die nun auf uns warten.
Nach der gemeinsam gebeteten Vesper, zu der noch viele Gäste bleiben konnten, sind “die Rochusberger Engelthalerinnen” wieder abgereist. Für die wenigen von uns, die nun noch in Engelthal zurückbleiben, ist jetzt hier eine eigenartige Atmosphäre von Dankbarkeit und Leere zugleich. Dieser Ort ist wunderschön, doch spüren wir nun jeden Tag, dass wir hier nicht bleiben dürfen. Wir sind auf dem Weg.
“Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung
in eine stille Freunde.”
(Dietrich Bonhoeffer)
Bericht auf der Internetseite des Bistums Mainz
Predigt des Bischofs beim Verabschiedungsgottesdienst
Kurznachricht in der Hessenschau vom 23.08.2026 (ab Minute 10:07)
Wir danken Herrn Tobias Blum, Mainz, für die freundliche Erlaubnis, seine Fotos zu verwenden.
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